Über mich

Herzlich willkommen, liebe Leserin und Leser. 
Schön, dass Du Dich für meine Seite und meinen Weg interessierst.
 
Nichts ist selbstverständlich!

Es ist nicht selbstverständlich schwanger zu werden und es ist nicht selbstverständlich Kinder eine ganze Schwangerschaft austragen zu dürfen/können. Im Leben gibt es immer wieder hoch und tiefs. Aber ein Kind, dass in dir, unter deinem Mutterherz stirbt - und ist es noch so Klein - war einer der tiefsten, traurigsten, intensivsten Seelenschmerz, den ich durchgemacht hatte. Innerlich schrie mein Körper, äusserlich zeigte er die heile Welt. Zwei kleine Wesen musste ich wieder verabschieden, das erste in der 7. Woche, das zweite in der 8. Woche.

Ich war ein glückliches Mami von einem 3jährigen Sohn und wir wollten ihm ein Geschwisterchen schenken. Zwei Kinder war für uns ideal, zumal ich damals bereits 39 war. Glücklicherweise wurde ich auch bald schwanger - wunderbar. Beim 1. Schwangerschaftsuntersuch hiess es "wahrscheinlich ist es noch zu früh, um etwas zu erkennen", beim 2. Untersuch war zwar etwas kleines zu sehen, aber ein Herzli schlug nicht. Und dann, in der 7. Woche, am Donnerstag, 23. September 2010 war das kleine "Etwas" gegangen. Ja, ich war traurig, doch denjenigen, denen ich vom Verlust erzählt hatte, sagten mir "positiv denken", "schnell wieder schwanger werden", "Hormone nutzen", "schnell nach vorne schauen"...…..! Ok, so ging ich wieder zur Tagesordnung über, schliesslich passiert dies ja vielen Frauen.... (komischerweise hört man aber gar nichts davon). Nun gut, jetzt bin ich eben auch eine davon. … Monate später war ich erneut schwanger. 1. Untersuch = wunderbar, Herzli klöpferlet, 
2. Untersuch - wunderbar, Herzli klöpferlet. Die Ärztin meinte "jetzt sieht alles gut aus, jetzt kommt es gut" - und dann kam es anders. Blutungen, 8. Woche, Untersuch, kein Herzschlag mehr, es war gestorben. G E S T O R B E N. In mir! In mir ist jemand gestorben. Meine Ärztin riet "mal abzuwarten, ob das kleine Wesen von selbst raus kommt", oder eventuell eine Curretage nötig sei. Am Mittwoch, 
9. März 2011 ist es geboren. Wie eine übliche Geburt hat das kleine Wesen den gleichen Geburtsweg gemacht - einfach ganz klein und still. Da lag das kleine Geschöpf, hatte Platz auf meiner Handinnenfläche, als Mensch erkennbar (Körper, Kopf, Nabelschnur, Augenpartie, Ansatz von Armen). Geschockt, fasziniert und dankbar zugleich. Und die Welt da draussen sagt immer "da ist noch nichts". Welt, du hast keine Ahnung! Doch - ein angehender Mensch war es! Dann zerbrach mein System. Mehr und mehr bekam ich Panikattacken, konnte in keinem Raum mehr sein, mein Körper, meine Seele unter stress und weinen, weinen, immer wieder weinen. Warum? Warum ich? Was wird mir hier gerade angetan? Warum schenkt man mir Kinder und nimmt sie dann wieder weg? 4 Monate war ich im tiefen Tal der Trauer. Dann gab es allmählich wieder Lichtblicke, schöne Momente. Nach 8 Monaten war ich wieder schwanger. Wunderbar? Ja, wunderbar war es, nachdem ich unsere Tochter nach 37 Wochen Schwangerschaft gesund in den Armen halten durfte. Die Schwangerschaft war bis zur 22. Woche ein seelischer stress: jede Sekunde war geprägt, auch sie zu verlieren, jeder Gang zur Toilette zögerte ich bis zum "geht-nicht-mehr" raus, nach jedem Arztbesuch wieder das Gefühl, dass es aber gerade jetzt sein könnte, dass das Herz aufgehört hat, zu schlagen....

Heute darf ich ein dankbares Mami von einem Sohn und einer Tochter sein. 
Zwei Kinder an meiner Hand, 2 Kinder als Seelen in meinem Herzen. 

Nie hat mich der Gedanke losgelassen, warum der Kindsverlust in den ersten 
12 Schwangerschaftswochen so tabuisiert wird. Es geschieht so oft und dennoch wird nicht darüber gesprochen. Fast nichts war zu finden über dieses Thema, also habe ich im Oktober 2015 die Gesprächsgruppe "Schmetterlingsseelen" aufgebaut und danach entstand der Verein. Viele Gespräche und Geschichten zeigten mir auf, dass noch viel Handlungsbedarf und Aufklärungsarbeit nötig ist. Deshalb habe ich mich rund um das Thema "Kindsverlust in den ersten 12 Schwangerschaftswoche" weitergebildet, um Frauen bei der Einnahme bei den Tabletten, oder zum Gang zur Curretage, zu begleiten, damit sich keine Frau mehr alleine fühlen und all den Schmerz alleine mit sich tragen muss - so wie ich damals. 

Liebe Leserin, ich war damals tief unglücklich (so wie Du im Moment vielleicht auch bist), aber ich habe mich versöhnt, es angenommen und heute kann ich wieder wunderbar lachen.  

von Herzen, Andrea